Biotechnologie im Jahr 2026: Innovation und Selektivität
Nach einem stärkeren Jahr 2025 ging die Biotechnologie mit einer soliden Basis in das Jahr 2026. Die Innovationskraft ist ungebrochen, die Bewertungen sind weiterhin günstig und das Anlegerinteresse nimmt zu. In einem selektiven Markt konzentriert sich Candriam auf differenzierte Anlagewerte, kommerzielles Potenzial und einen disziplinierten Portfolioaufbau.
Ein soliderer Hintergrund für die Biotechnologie
GLP-1-Therapien [1] standen in den letzten Jahren wegen ihrer Auswirkungen auf die Behandlung von Adipositas und das kardiovaskuläre Risiko im Fokus der Aufmerksamkeit. Immuntherapien sind ebenfalls auf großes Interesse gestoßen, da sie zu einer Neukonzipierung von Krebstherapien führen und die Überlebenschancen für viele Patienten erhöhen. Diese Fortschritte zeigten, was Biotechnologie für die Praxis bedeutet: die Anwendung wissenschaftlicher biologischer Erkenntnisse zur Entwicklung von Therapien, die neue Maßstäbe in der Versorgung von Patienten setzen und gleichzeitig die Lebensqualität von Millionen von Patienten verbessern und ihre Lebenserwartung verlängern können.
Der Biotechnologiesektor umfasst große Pharmakonzerne sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die eine Vorreiterstellung bei therapeutischen Innovationen einnehmen. Er ist besonders attraktiv, weil Innovationen in Bereichen mit hohem ungedeckten Bedarf beträchtliche kommerzielle Chancen eröffnen können, wobei ein signifikanter Nutzen für die Patienten mit langfristigem Renditepotenzial einhergeht.
Diese Innovationsbreite wird durch langfristige Megatrends im Gesundheitswesen getragen. Die Alterung der Bevölkerung führt zu einer zunehmenden Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, da ältere Menschen in der Regel mehr medizinische Versorgung benötigen und häufiger an altersbedingten Erkrankungen leiden. Gleichzeitig tragen bewegungsarme Lebensstile zu einem Anstieg der chronischen Erkrankungen bei. Vor diesem Hintergrund entwickeln Biotechnologieunternehmen weiterhin Therapien, die für Patienten wirksamer, sicherer oder einfacher anzuwenden sind. Das Ergebnis sind vielfältige Chancen in verschiedenen therapeutischen Bereichen, von Onkologie und seltenen Erkrankungen bis hin zu Neurologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Nach einer schwierigen Phase im Anschluss an den Höhepunkt der Pandemie markierte das Jahr 2025 einen wichtigen Wendepunkt für die Biotechnologie an den öffentlichen Märkten. Erfolgreiche Börsengänge neuerer kommerzieller Biotechnologieunternehmen trugen dazu bei, die Anleger wieder einzubinden, und verdeutlichten damit die folgende wichtige Erkenntnis: Im Bereich Biotechnologie geht es nicht nur um Forschungspotenzial, sondern auch um profitables Wachstum. Die Verbesserung des Umfelds wirkte sich positiv auf die Performance im Jahr 2025 aus.
Zu Beginn des Jahres 2026 bleibt das Bild positiv, was durch eine Zunahme von Arzneimitteln in der Entwicklung und einen vollen Kalender mit Markteinführungen und klinischen Meilensteinen unterstützt wird, die die Stimmung und die Kursentwicklung im gesamten Sektor beeinflussen könnten. Außerdem haben wir mehr Klarheit über die potenziellen Auswirkungen der Politik der neuen US-Regierung, die Zölle, die Arzneimittelpreise und über den regulatorischen Hintergrund gewonnen. Dies entspricht auch der Feststellung der Royal Bank of Canada, dass sich der Anteil der Arzneimittelzulassungen, -verzögerungen und -ablehnungen im ersten Jahr der neuen Regierung im Vergleich zur vorherigen Regierung nicht wesentlich verändert hat[2].
Auch die Bewertungen bleiben ein wichtiger Aspekt.
Die Biotechnologie ist ein Sektor mit erheblichen Schwankungen: Klinische, regulatorische und kommerzielle Erfolge können klare Gewinner hervorbringen, während Rückschläge die Erwartungen schnell wieder senken können. In diesem Umfeld bleibt die Titelauswahl ein wichtiger Performancetreiber.
Die disziplinierte Anlagestrategie von Candriam
In diesem Kontext verfolgen wir einen aktiven, forschungsgetriebenen und Long-only-Ansatz. Das Portfolio ist im Hinblick auf Marktkapitalisierung und therapeutische Bereiche stark diversifiziert. Aus der Bewertungsperspektive sehen wir im gesamten Spektrum Chancen. Das Portfolio ist jedoch auf zwei breit gefasste Gruppen von Unternehmen ausgerichtet.
Die erste umfasst mittelständische Unternehmen mit etablierten oder wachsenden kommerziellen Geschäftsbereichen, deren Geschäftspotential nach unserer Auffassung über USD 2 Milliarden liegt. Unserer Ansicht nach bieten diese Unternehmen attraktives Wachstum, einen strategischen Fusions- und Übernahmewert und einen klareren Weg zur Rentabilität.
Die zweite Gruppe umfasst Unternehmen in früheren Stadien mit einem Medikament oder einer kleinen Anzahl von Arzneimitteln, die unserer Meinung nach aufgrund der Qualität der Anlage, der Konzeption der klinischen Studien, der Marktchancen und der Leistungsfähigkeit des Managementteams mit hoher Wahrscheinlichkeit klinischen Erfolg haben werden.
Candriam verwaltet diese Strategie seit 26 Jahren mit einem spezialisierten Team, das über finanzielle Expertise, wissenschaftliche Spezialisierung und fundierte Erfahrung in der Biotechnologieforschung verfügt. Unserer Ansicht nach ist die Biotechnologie bei Aktieninvestitionen einer der Bereiche, in denen Fachwissen entscheidend sein kann, da das Verständnis der Wissenschaft, des Wettbewerbsumfelds und der kommerziellen Entwicklung für die Bewertung von Risiken und Chancen von zentraler Bedeutung ist. Der ständige Kontakt mit den Managementteams der Unternehmen, Ärzten und anderen externen Experten unterstützt unsere Vorgehensweise zusätzlich und hilft uns, Chancen diszipliniert einzuschätzen.
Ausblick 2026: Themen im Fokus
Mit Blick auf die weitere Entwicklung haben wir für das Jahr 2026 verschiedene Themen ausgemacht, die Investitionen in Biotechnologie prägen werden.
KI ist eines der bestimmenden Themen des Jahres 2026 und führt bereits zu Veränderungen in verschiedenen Sektoren. Die Biotechnologie könnte eines ihrer vielversprechendsten Anwendungsgebiete sein, da die KI-Nutzung die Entdeckung und Entwicklung von Arzneimitteln verbessert. Aus unserer Sicht verfügt die KI über das Potenzial, die Effizienz zu verbessern, Entwicklungskosten zu senken und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, die richtigen Medikamente auszuwählen.
Fusionen und Übernahmen sind auch zukünftig ein wichtiges Thema. Große Pharmaunternehmen halten nach wie vor extern nach Innovationen Ausschau, und die Biotechnologie bleibt ein wichtiger Bereich für differenzierte Anlagen. IQVIA stellte fest, dass 85 % der neuen Medikamente, die 2024 zur FDA-Zulassung eingereicht wurden, von aufstrebenden Biopharmaunternehmen stammten[3]. Dies schlägt sich in dem Niveau der Transaktionstätigkeit nieder. Im Jahr 2025 gab es 30 Transaktionen mit einem kumulativen Wert von rund USD 100 Mrd [4]. Gleichzeitig zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Unternehmen mit bedeutenden kommerziellen Produkten sind zunehmend in der Lage, länger unabhängig zu bleiben und selbst mehr von der langfristigen Wertschöpfung zu profitieren. Unternehmen mit differenzierten Spätphasenanlagen oder starken Markteinführungsprofilen können daher schon lange vor Erreichen der vollen kommerziellen Reife strategisch wichtig werden. Ihre Bedeutung geht über potenzielle Transaktionsaktivitäten hinaus, da sie zusätzlich Bewertungen im gesamten Ökosystem stützen und vielfältige Wege zur Wertschöpfung schaffen.
Chinas Rolle im Bereich der globalen Biotechnologie-Innovationen lässt sich immer weniger ignorieren. In einem Sektor, der seit Langem von den USA dominiert wird, entwickelt sich China schnell weiter. Der Zulassungsweg zur ersten Verabreichung an Menschen ist deutlich schneller, die Aufnahme von Patienten in klinische Studien kann in etwa der Hälfte der globalen Durchschnittszeit abgeschlossen werden, und die Kosten pro Patient sind ebenfalls deutlich niedriger [5]. Im ersten Halbjahr 2025 stammten 46 % aller neuen Wirkstoffmoleküle, zu denen Studien am Menschen eingeleitet wurden, von chinesischen Biopharmaunternehmen [6]. Für Anleger verändert diese Entwicklung das Wettbewerbsumfeld und erweitert das Spektrum an innovativen Unternehmen, die der Markt beobachten muss.
Bei spezifischen therapeutischen Bereichen sind besonders interessante Innovationen bei Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen zu verzeichnen. Es handelt sich um sehr umfassende Behandlungsgebiete mit hoher Prävalenz und schwerwiegenden Folgen, wenn die Erkrankung nicht gut unter Kontrolle ist. Der Erfolg von Adipositas-Medikamenten hat bereits gezeigt, wie die Biotechnologie die Behandlungsstandards verändern kann, und wir erwarten eine weitere kommerzielle Entwicklung, einschließlich der Einführung hochwirksamer Tablettenformate. Wir haben auch die fortgesetzten Innovationen bei der Cholesterin- und Lipidsenkung über die LDL-Reduktion hinaus im Blick, wobei klinische Katalysatoren von Lp(a), PCSK9 und CETP-Inhibitoren erwartet werden. Ebenso beobachten wir sowohl kommerzielle als auch klinische Entwicklungen bei der Fettlebererkrankung (Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis) genau.
Neurowissenschaften sind ein weiterer Bereich, in dem die Anlagebeurteilung immer überzeugender wird. Krankheiten wie die Alzheimer sind mit erheblichen menschlichen und wirtschaftlichen Belastungen verbunden. Wir stellen einen erneuten Fokus auf die Abgabe von Medikamenten ins Gehirn und auf zielgerichtetere Therapien fest. Fortschritte in Bereichen, in denen es seit Langem an wirksamen Innovationen mangelt, können besonders bedeutsam sein, wenn die Wissenschaft zum ersten Mal greifbare klinische Ergebnisse erzielen kann. Im Hinblick auf Psychedelika ist ebenfalls eine Entwicklung von Skepsis hin zu vielversprechenden klinischen Ergebnissen bei psychiatrischen Indikationen festzustellen, und wir erwarten weitere klinische und regulatorische Entwicklungen, die ihr Potenzial bei diesen bisher unterversorgten Krankheiten beleuchten werden.
Auch die Onkologie bleibt ein Bereich mit bedeutenden Innovationen. In den letzten zehn Jahren hat sich das Fachgebiet in Richtung gezielterer Therapien entwickelt, die spezifische genetische Mutationen ansprechen. Dies umfasst verschiedene Behandlungsformen, einschließlich niedermolekularer Wirkstoffe, Antikörper sowie Zell- und Gentherapien. Mit Blick auf die Zukunft stehen Entwicklungen wie personalisierte Krebsimpfstoffe weiterhin im Fokus. Bei den Immuntherapien könnte auch die nächste Generation von Medikamenten wie VEGF x PDL1 zu weiteren klinischen Updates führen.
Abgesehen von diesen Themen sind Innovationen im Hinblick auf seltene Krankheiten, Immunologie und andere Bereiche, in denen der ungedeckte medizinische Bedarf hoch ist und differenzierte Produkte einen hohen strategischen Wert erreichen können, breit gefächert.
Für professionelle Anleger stellt die Biotechnologie weiterhin einen differenzierten Wachstumsbereich dar. Das Chancenspektrum ist nach wie vor überzeugend, aber eine selektive Vorgehensweise ist von grundlegender Bedeutung. Unsere Aufgabe bei Candriam ist es, weiterhin die Nähe zur Wissenschaft zu suchen, unsere Disziplin bei der Bewertung aufrechtzuerhalten und uns auf Unternehmen zu konzentrieren, bei denen sich Innovation in langfristiger Wertschöpfung niederschlagen kann.
Alle Anlagen in die Strategie sind mit Risiken verbunden.
Die mit einer Anlage in der Strategie einhergehenden Hauptrisiken sind: Kapitalverlustrisiko, Aktienrisiko, Währungsrisiko, Liquiditätsrisiko, Konzentrationsrisiko, Derivatrisiko, Nachhaltigkeitsrisiko und ESG-Anlagerisiko.
Die aufgeführten Risiken sind nicht erschöpfend und weitere Einzelheiten zu den Risiken sind in den aufsichtsrechtlichen Dokumenten enthalten.
Aktuelle Nachrichten zu Aktien
[1] Bei GLP-1-Therapien handelt es sich um Medikamente, die das Darmhormon Glukagon-ähnliches Peptid-1 imitieren, um den Blutzucker zu regulieren, den Appetit zu zügeln und den Gewichtsverlust zu unterstützen.
[2] RBC, Regulatory Uncertainty Seems Likely To Persist, Remaining Overhang Into 2 (Wahrscheinliches Anhalten der regulatorischen Unsicherheit bis in das Jahr 2026), März 2026
[3] IQVIA, Global Trends in R&D, 2025. Emerging Biopharma (Globale Trends in Forschung und Entwicklung, 2025. Aufstrebende Biopharmaunternehmen)
[4] Jefferies, Dezember 2025
[5] FDA - Runder Tisch der FDA zu Zell- und Gentherapien, der am 5. Juni 2025 stattfand
[6] Goldman Sachs. China Is Increasing Its Share of Global Drug Development (China baut seinen Anteil an der weltweiten Arzneimittelentwicklung aus). 17.12.2025