Wichtige Nachricht: Vorsicht vor Betrügereien mit falschen Namen

Derzeit kursieren betrügerische Nachrichten und Anzeigen auf Messaging-Plattformen, einschließlich WhatsApp, die sich als die Marke Candriam und als Anlageexperten ausgeben. Bitte beachten Sie, dass Candriam über soziale Medienkanäle oder Messaging-Plattformen niemals Anlageempfehlungen ausspricht oder Finanzberatung anbietet.

Engagement mit Luxusunternehmen: Ein Gespräch mit Benjamin Chekroun

Warum sprechen wir Unternehmen auf ihre Lieferketten an?

Ihre Lieferketten weisen einzigartige Hochrisikoelemente auf. Im Mittelpunkt steht dabei unsere umfassende Kampagne zum Thema Lieferketten im Allgemeinen. Vor dreißig Jahren hatte ein Hersteller vielleicht noch die Kontrolle über seine Lieferkette bis hin zum Feld oder zur Mine oder sogar das Eigentum daran. Die Globalisierung hat integrierte Lieferketten zu globalen Outsourcing-Netzwerken gemacht. Beispielsweise gibt es in der Automobilindustrie unglaublich lange Lieferketten, manchmal dreizehn Ebenen tief. Die Lieferketten von Luxusmarken haben eher vier oder fünf Ebenen.

Einkaufsmanager haben es nicht leicht. Die Lieferketten werden immer stärker unter die Lupe genommen, es gibt immer mehr Vorschriften, darunter das französische Sorgfaltspflichtengesetz (LDV „loi de vigilance“) aus dem Jahr 2017, das in der EU geltende CSDDD / Corporate Sustainability Due Diligence Direct, der britische Modern Slavery Act (2015) und das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz LkSG (2023).

Was wir als „Kette“ bezeichnen, ist in den meisten Branchen eher ein Mosaik mit vielen Beiträgen und zum Teil mehreren Lieferanten für jeden Beitrag. Gleichzeitig schaffen Zölle und andere geopolitische Verwerfungen neues Chaos.

Warum gerade Luxusgüter?

Das Investitionsrisiko ist enorm. Der Wert ist das Markenimage. Je höher der Preis, desto höher das Risiko. 

Wie verläuft der Dialog mit Luxusunternehmen im Vergleich zu anderen Branchen?

Paradoxerweise sind Luxusunternehmen bei der Offenlegung von Informationen äußerst zurückhaltend, sind aber dankbar für jede diskrete Hilfe.

Stellen Sie sich vor, ein Schokoladenunternehmen arbeitet mit einer gemeinnützigen Gruppierung zusammen, um zu bestätigen, dass in den Betrieben seiner Lieferanten keine Kinder Kakaobohnen ernten. Schokoladenverbraucher würden wohl applaudieren, was dem Markenimage zugute käme. Überlegen Sie nun, wie Kunden auf ein Luxusunternehmen reagieren, das das Gleiche tut – aber lediglich versucht, zu bestätigen, dass seine Lieferkette „sauber“ ist. Die Reaktion der Kunden wäre wahrscheinlich: „Sie meinen, Sie wissen es nicht ?“

 

Sind ihre Lieferanten so anders?

Während es in jeder Branche und jedem Unternehmen spezifische Unterschiede gibt, gibt es ein paar Dinge, über die man sich Gedanken machen sollte. Obwohl das sich nicht nur für Luxusgüter gilt, kann die Zahl der Lieferanten sehr hoch sein. Wir haben mit einem Luxusunternehmen gesprochen, das über 2.000 Rohstofflieferanten zertifizieren und überwachen muss. In vielen Fällen haben die Unternehmen nur Einblick bis zur ersten Ebene der Lieferkette, was zwar nicht einzigartig ist, aber ein enormes Imagerisiko birgt. Und in mindestens einem Fall machte ein Lieferant der ersten Ebene eine Falschaussage, und die Presse enthüllte, dass die Zulieferer dieses Anbieters Kinderarbeit einsetzen.

 

Kann Technologie helfen? 

Ja! Anhand von Blockchain-Lösungen lassen sich Lieferungen verfolgen. So kann beispielsweise ein Baumwollballen, der von einem zertifizierten Betrieb geerntet wird, ein Etikett oder eine „Bale ID“ erhalten, die eingescannt und über die gesamte Kette verfolgt werden kann.
Stabile Isotopentests sind eine weitere interessante Technologie. Bei der Prüfung von Bio-Produkten, wie Gemüse, Fleisch, Leder, Wolle oder Baumwolle lassen sich lokales Klima, Wasser und Boden erkennen und somit sehr genau ihre Herkunft bestimmen. Aber es gibt auch Einschränkungen: Zum Beispiel können Baumwollballen aus verschiedenen Regionen kombiniert werden , oder es befinden sich Restfasern in Verarbeitungsanlagen, so dass die Ergebnisse verzerrt werden.

 

Gibt es konkrete Bemühungen, zu denen Sie heute etwas sagen können?

Die Dialogbemühungen, die wir mit Blick auf Jasminlieferungen unternommen haben, zahlen sich aus. Die Ernte von Rohstoffen für Parfüm, darunter Jasmin und Rosenblüten, umfasst oft Kinderarbeit. Dieses Menschenrechtsthema kam in einer BBC-Dokumentation zur Sprache, ein Albtraum für das Markenimage und den Shareholder Value.[1] Kinderarbeit ist schwer zu identifizieren und noch viel weniger zu kontrollieren, da 60% der Kinderarbeit in der Landwirtschaft stattfindet.[2] Jasminblüten müssen nachts oder sehr früh morgens geerntet werden (um 3 Uhr). Auf Grund der Bezahlung pro Stück für Wanderarbeiter oder in entlegenen Gemeinschaften ist Kinderarbeit attraktiv und schwer zu erkennen.

Die gemeinnützige Fair Labor Association nannte uns und anderen Vermögensverwaltern wichtige Ansprechpartner wie Einkaufs- und Menschenrechtsmanager in zehn internationalen Parfüm- und Kosmetikkonzernen und bei deren Tier-1-Lieferanten. Wir haben einen Workshop organisiert, um unsere Bedenken als Anleger zu äußern, was zu einem konstruktiven Dialog unter allen Teilnehmern über die Herausforderungen und Möglichkeiten führte. Anschließend haben wir Schreiben an die Geschäftsleitung gerichtet und dargelegt, was wir als Anleger erwarten. In zwei Fällen hat dies zu greifbaren Ergebnissen geführt. Ein Kosmetikunternehmen weitet seine Programme zur Bewertung der Einhaltung der Menschenrechte auf risikoreichere Materialien aus, während ein anderes seinen Verhaltenskodex für Lieferanten und sein Programm zur Lieferantenprüfung verschärft.

Diese Erfahrung war ein Erfolg. Zusammen mit der FLA und einem weiteren Vermögensverwalter haben wir daher beschlossen, ein Pilotprojekt zu starten, um den Dialog mit Luxusmarken fortzuführen und ihn auf Bekleidungsfirmen und Schuhhersteller auszuweiten.

 

Welches Fazit ziehen Sie?

Das Offenlegen von Missständen, auch in der Luxusbranche, kann Illusionen rauben. Diese Marken haben ihr Image nicht auf „Transparenz“ aufgebaut. Vielmehr steht sie im Widerspruch zur Einstellung und zur Kultur dieser Unternehmen. Investmentmanager müssen daher den richtigen Ansatz für den Dialog finden und andere Stakeholder diplomatisch einbeziehen.

Wir sind der Ansicht, dass die Nutzung der Kenntnisse und Kontakte einer starken NGO bei gleichzeitiger Wahrung der Vertraulichkeit zu greifbaren Ergebnissen führen kann, die die Leistung dieser Marken in Bezug auf das Lieferkettenrisiko verbessern.  

 

[1] 2. Juni 2024. BBC World Service - The Documentary, Perfume’s dark secret. Aufgerufen am 29. Januar 2026.
[2] Kinderarbeit in der Landwirtschaft | Internationale Arbeitsorganisation . Aufgerufen am 29. Januar 2026

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Markenwerte: Risiken bei Luxusgütern

Unser neues Whitepaper zum Thema Lieferketten für Luxusgüter setzt die Analyse dieses Risikos fort.

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