Makroökonomische Rahmenbedingungen: Geopolitischer Schock
Seit Ende Februar wurden die globalen Kreditmärkte von der Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran und den zunehmenden Spannungen im Nahen Osten angetrieben. Die geopolitischen Risiken sind zwar nicht neu, doch die Intensität und das Tempo dieser Episode überraschten die Märkte.
Die Schließung der Straße von Hormuz drückte den Preis für Brent-Rohöl Ende März auf 118 US-Dollar pro Barrel [1] – ein Niveau, das seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine nicht mehr zu beobachten war. Dies hat zu einer Zeit, in der sich das Wachstum bereits verlangsamt und die Haushaltspositionen in den Industrieländern nach wie vor strapaziert sind, die Inflationsängste neu entfacht.
Als Reaktion darauf haben die Zentralbanken ihren geldpolitischen Kurs neu bewertet. In Europa und Großbritannien haben sich die Erwartungen von Zinssenkungen auf eine vorsichtigere Haltung verlagert, da erneut über eine Straffung diskutiert wurde. In den USA hat sich die US-Notenbank von der Erwartung von Zinssenkungen auf eine längere Pause und sogar die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen verlagert.
Dieser sich verändernde Hintergrund verdeutlicht die wachsende Spannung zwischen der Unterstützung der Wirtschaftsaktivität und der Eindämmung der Inflation. Die Staatsanleihenrenditen reagierten entsprechend: Die 10-jährigen Renditen stiegen in den USA und den europäischen Kernmärkten im Berichtsmonat um etwa 30 bis 40 Basispunkte[2].
Nachrangige Finanzanleihen: Volatilität ohne Verzerrungen
Märkte für nachrangige Finanzanleihen, einschließlich AT1[1] und Tier 2[2] Instrumente, die in diesem Umfeld eine erhöhte Volatilität verzeichneten, mit Phasen starker Kursbewegungen.
Die Neubewertung blieb jedoch geordnet. Unserer Ansicht nach spiegelt die Spreadausweitung eher eine Normalisierung der Risikoprämien wider als eine Verschlechterung der Kreditfundamentaldaten oder des Funktionierens des Marktes. Wichtig ist, dass es im Gegensatz zu früheren Episoden in der Anlageklasse keine Anzeichen für Zwangsverkäufe oder Liquiditätsengpässe gab.
Aus der Bewertungsperspektive war die Anpassung im März zwar aussagekräftig, aber begrenzt. Die AT1-Spreads weiteten sich um rund 45 Bp.[3] aus, während sich die Tier-2-Spreads um rund 20 Bp.[4] bewegten, verglichen mit etwa 15 Bp. am breiteren Euro-Investment-Grade-Markt[5]. Diese Bewegung vollzog sich von historisch engen Niveaus: Die Euro AT1-Spreads lagen Ende Februar nahe bei 250 Bp. und immer noch deutlich unter den Stressniveaus der Vergangenheit.
Gleichzeitig hat der Zinsanstieg die Preisrückgänge verstärkt. Dies führte zu einer signifikanten Neuausrichtung der Renditen: Ende März bot der Euro AT1 eine Yield-to-Worst von fast 6%[6] gegenüber zuvor unter 5%[7] , während die Tier-2-Renditen sowohl für Banken als auch für Versicherer leicht über 4% blieben. Diese Neubewertung verbessert das Carry-Profil der Anlageklasse erheblich, ohne schwächere Fundamentaldaten widerzuspiegeln.
Technische Faktoren: unterstützendes Angebot und robuste Nachfrage
Die Aktivität am Primärmarkt blieb verhalten, was auf die Vorsicht der Emittenten zurückzuführen war. Es wurden keine Tier-2-Transaktionen auf den Markt gebracht, während die AT1-Emission begrenzt war.
Dennoch bleibt die Nachfrage robust. HSBC gab zum Beispiel ein AT1-Emissionsvolumen von USD 1,25 Mrd. aus, das ein Auftragsbuch von rund USD 17 Mrd. anlockte[8] und bestätigte, dass die Anleger engagiert bleiben, wenn die Preise attraktiv sind und die Emittentenqualität hoch ist.
Die Angebotsdynamik ist ebenfalls vorteilhaft. Ein großer Teil der erwarteten AT1-Emissionen für 2026 wurde bereits zu Beginn des Jahres abgeschlossen, was auf ein begrenztes Nettoangebot in der nächsten Zeit hindeutet. Darüber hinaus bestätigten mehrere Emittenten Calls am ersten Kündigungstermin. Dies stärkte das Vertrauen in die Anlageklasse und hielt das Verlängerungsrisiko unter den aktuellen Bedingungen in Grenzen.
Das Verhalten der Anleger war konstruktiv. Trotz der Volatilität gab es keine Anzeichen für Kapitulation oder wahllose Verkäufe oder übermäßige Risikobereitschaft während der Erholung. Dies spiegelt eine ausgereiftere und ausgewogenere Anlegerbasis wider und reduziert das Risiko technischer Verwerfungen.
Ein ausgewogeneres Risiko-Rendite-Profil
Die nachrangigen Finanzmärkte dürften auf kurze Sicht sensibel auf geopolitische Entwicklungen und geldpolitische Erwartungen reagieren, was auf anhaltende Volatilität schließen lässt.
Die jüngste Neubewertung hat jedoch zu ausgewogeneren Bewertungen geführt, während technische Faktoren nach wie vor vorteilhaft sind. Gleichzeitig bleibt der fundamentale Hintergrund für europäische Banken und Versicherer stark, unterstützt durch solide Kapitalpositionen und robuste Rentabilität.
In diesem Umfeld bleibt ein selektiver Ansatz entscheidend. Wir bevorzugen Emittenten von hoher Qualität, robuste Strukturen, insbesondere solche mit attraktiven Reset-Mechanismen und einem disziplinierten Durationsmanagement. Insgesamt bietet die Anlageklasse jetzt einen attraktiveren Einstiegspunkt mit verbessertem Carry und einem günstigeren Risiko-Rendite-Profil als früher im Jahr.
Strategie für nachrangige Finanzanleihen nutzt Chancen
Unsere Strategie für nachrangige Finanzanleihen ist gut aufgestellt, um vom verbesserten Carry bei nachrangigen Finanzwerten zu profitieren und gleichzeitig einen starken Fokus auf die Risikokontrolle zu legen.
Der Anlageansatz basiert auf einer rigorosen Emittentenauswahl und einer detaillierten Analyse der Kapitalstrukturen. Das Portfolio ist nach wie vor klar auf gut kapitalisierte europäische Banken und Versicherer ausgerichtet, deren Fundamentaldaten robust bleiben und einen soliden Puffer gegen potenzielle Schocks bieten.
Bei nachrangigen Anleihen konzentriert sich die Strategie auf Instrumente, die eine attraktive Risikokompensation bieten. In AT1 wird besonderes Augenmerk auf Reset-Bedingungen und Call-Incentives gelegt, während Tier-2-Engagements zur Stabilität und Diversifizierung beitragen.
Die Duration wird aktiv verwaltet, um die Zinssensitivität, ein wichtiger Treiber der jüngsten Marktperformance, zu mindern. Der Anstieg der Renditen hat auch Gelegenheiten geschaffen, zu attraktiveren Niveaus zu reinvestieren, was das zukunftsgerichtete Renditepotenzial verbessert.
In einem Marktumfeld, das höhere Renditen, vorteilhafte technische Faktoren und robuste Fundamentaldaten verbindet, ist ein aktives Management unerlässlich. Die Strategie von Candriam für nachrangige Finanzanleihen nutzt ihre Expertise im Bereich Finanzanleihen, um Volatilität zu bewältigen und Chancen im gesamten Universum nachrangiger Finanzwerte zu nutzen.
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Unternehmensanleihen wirken vielleicht entspannt, weil ihre Renditen meistens stabil sind. Aber Unternehmensanleihen sind asymmetrisch: Das Ertragspotenzial beschränkt sich auf die Zinsen, während das Verlustrisiko von Dauer sein kann, wenn sich die Fundamentaldaten abschwächen oder die Liquidität verschwindet.
[1] Bloomberg CO1 Cmdty Index zum 31.03.2026.
[2] 10-jährige französische OAT (GTFRF10Y Govt), 10-jährige deutsche Bundesanleihen (GTDEM10Y Govt), 10-jährige US-Treasuries (GT10 Govt).
[3] Eine Art sehr nachrangiger, hauptsächlich von Banken begebener Schuldtitel. AT1-Instrumente sind so konzipiert, dass sie Verluste in Stressphasen absorbieren. Sie können spezifische Merkmale wie die Kündigung eines diskretionären Kupons oder die Umwandlung in Eigenkapital aufweisen. Sie bieten in der Regel einen höheren Kupon.
[4] Nachrangige Verbindlichkeiten, die als aufsichtsrechtliches Kapital für Banken und Versicherer gelten. Weniger riskant als AT1-Instrumente, liegt aber in der Kapitalstruktur immer noch unter vorrangigen Anleihen und bietet daher ein höheres Renditepotenzial als vorrangige Anleihen.
[5] ICE BofA Contingent Capital Index 27.02.2026 bis 31.03.2026.
[6] ICE BofA Euro Financial Subordinated & Lower Tier 2 Index 27.02.2026 bis 31.03.2026.
[7] ICE BofA Euro Corporate Index 27.02.2026 bis 31.03.2026.
[8] Bloomberg Contingent Capital EUR Total Return Index zum 31.03.2026.
[9] ICE BofA Euro Financial Subordinated & Lower Tier 2 Index, Stand 31.03.2026.
[10] CreditSight: Coco-Datenbank der Euro-Banken: HSBC AT1s Hinzugefügt veröffentlicht am 18.03.2026.