Wichtige Nachricht: Vorsicht vor Betrügereien mit falschen Namen

Derzeit kursieren betrügerische Nachrichten und Anzeigen auf Messaging-Plattformen, einschließlich WhatsApp, die sich als die Marke Candriam und als Anlageexperten ausgeben. Bitte beachten Sie, dass Candriam über soziale Medienkanäle oder Messaging-Plattformen niemals Anlageempfehlungen ausspricht oder Finanzberatung anbietet.

Strukturwandel hin zu europäischer Autonomie nimmt zu

Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben erneute Energie- und Versorgungsschocks in Europa ausgelöst, wobei die Abhängigkeit des Kontinents von externen Zulieferern deutlich wurde. Die europäische Autonomie stellte einst ein politisches Ziel dar, wird mittlerweile aber in Finanzierung und industriepolitisches Handeln umgesetzt. Für Aktienanleger stellt dies einen Wendepunkt dar, da die Autonomie zu einem strukturellen Treiber der Kapitalallokation geworden ist.

Vom Narrativ hin zur Umsetzung

Die globale Zersplitterung, geopolitische Spannungen und wiederkehrende Angebotsschocks stellen Europas traditionelles Modell, das auf offenem Handel und externen Abhängigkeiten beruht, weiterhin infrage. Die europäische Autonomie stellt einen Strukturwandel abseits dieses Modells dar. Einst war es lediglich ein Konzept, nun geht es in Richtung der Umsetzung. Die Autonomiebestrebungen sind in Industriestrategien, Regulierungs- und Investitionsentscheidungen erkennbar. Dieser Wandel macht aus einem Narrativ tatsächliche Anlagechancen in Schlüsselbereichen wie Energiesysteme, industrielle Kapazitäten, Widerstandsfähigkeit des Gesundheitswesens, Verteidigungs- und strategische Technologien.

  • Ken Van Weyenberg
    Head of Client Portfolio Management Fundamental Equity

Die Reaktion Europas ausweiten

Das Ausmaß der Reaktion Europas wird greifbar und nimmt zu. Laut dem Draghi-Bericht erfordert das Erreichen der strategische Autonomie Schätzungen zufolge rund 750 bis 800 Milliarden Euro[1] an zusätzlichen Investitionen pro Jahr, die sich auf Energie, Verteidigung, Technologie und industrielle Kapazitäten beziehen.

Die Verteidigung veranschaulicht diesen Wandel am deutlichsten. Der aktuelle europäische Rahmen ermöglicht bis zu 800 Mrd. Euro[2] an Verteidigungsausgaben, einschließlich 150 Mrd. Euro über das SAFE-Instrument (Sicherheitsmaßnahmen für Europa) zur Unterstützung der gemeinsamen Beschaffung. Die ersten SAFE-Genehmigungen belaufen sich auf mehrere Dutzend Milliarden Euro, wobei die Gesamtzusagen aller Mitgliedstaaten 100 Milliarden Euro[3] übersteigen dürften.

Diese Beschleunigung geht über die Verteidigung hinaus. Die jüngsten Mittelzuweisungen über die Fazilität „Connecting Europe“ werden Finanzmittel für grenzüberschreitende Energieinfrastrukturprojekte bereitstellen und somit die Investitionen in die Strom- und Wasserstoffinfrastruktur, die Konnektivitätsinfrastrukturen und die Elektrifizierung verstärken. Gleichzeitig werden EU-Initiativen in Bereichen wie Nuklearforschung, Gesundheitsvorsorge und Schlüsseltechnologien verstärkt, was einen breiteren Vorstoß zur Stärkung der eigenen Kapazitäten widerspiegelt.

Die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten rückt ebenfalls in den Vordergrund. Europa bemüht sich zunehmend, den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern, sowohl im innerhalb seiner eigenen Grenzen als auch durch externe Partnerschaften. Die jüngsten Handelsabkommen, einschließlich derer mit  Australien, zielen ausdrücklich darauf ab, die Beschaffung zu diversifizieren und die Abhängigkeit von konzentrierten oder instabilen Lieferketten zu verringern. Dies unterstreicht einen wichtigen Wandel: Bei der Autonomie geht es nicht um Isolation, sondern um den Aufbau widerstandsfähiger und zuverlässiger Netzwerke. Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben erneut die kritischen Abhängigkeiten des Kontinents verdeutlicht.

Das Thema weitet sich aus und wird zunehmend systemischer. Die Verteidigung ist in eine industrielle Phase eingetreten, die Energiesouveränität hat wieder an Dringlichkeit gewonnen und strategische Sektoren wie Grundstoffe, Gesundheit und Technologie erhalten erneut Aufmerksamkeit.

Zusammengenommen stellen diese Entwicklungen einen Wendepunkt dar: Die europäische Autonomie bewegt sich von der Ambition hin zur Umsetzung:

Europas strategische Herausforderungen und Reaktionen

Europas Streben nach strategischer Autonomie wird von einer Reihe struktureller Abhängigkeiten angetrieben, die durch die jüngsten Schocks stärker in den Vordergrund gerückt sind.

  • Energieabhängigkeit und Preisschocks

    Die jüngsten geopolitischen Spannungen, darunter der Konflikt im Iran, lösten einen erneuten Energieschock aus, der die Abhängigkeit Europas von externen Anbietern verdeutlichte.
    Die Reaktion: Beschleunigte Investitionen in Energieinfrastruktur, Elektrifizierung und erneuerbare Energien, gestützt durch Initiativen wie REPowerEU.

  • Technologische Abhängigkeit

    Europa produziert weniger als 10 % der globalen Halbleiter[1], obwohl es selbst einen bedeutenden Endmarkt darstellt.
    Die Reaktion: Mit dem Europäischen Chip-Gesetz sollen über 40 Milliarden Euro eingesetzt werden, um die eigenen Kapazitäten wieder aufzubauen.

  • Anfälligkeit der Gesundheitsversorgung

    Bis zu 80 % der in Europa eingesetzten Wirkstoffe und rund 40 % der Medikamente (insbesondere Generika) stammen aus China und Indien.[2]
    Die Reaktion: Stärkung der Widerstandsfähigkeit durch Programme wie  HERA (Health Emergency Response Authority) und EU4Health sowie Reshoring-Bemühungen.

Wo es Chancen gibt

Unserer Meinung gibt es zunehmend positive Faktoren für europäische Vermögenswerte, da eine zunehmende Autonomie das Kapital in Bereiche lenken kann, die von struktureller Nachfrage, politischer Unterstützung und Kapazitätsengpässen geprägt sind. Diese Kombination kann die Preissetzungsmacht unterstützen, die Prognosesicherheit der Gewinne verbessern und potenziell die Wachstumszyklen verlängern, wenngleich die Ergebnisse nach wie vor von den Marktbedingungen abhängen.

Die attraktivsten Chancen liegen in der Regel entlang strategischer Wertschöpfungsketten: Verteidigungsökosysteme, Energieinfrastruktur und Elektrifizierung, kritische Materialien, Lösungen für die Kreislaufwirtschaft und Schlüsseltechnologien, die Europas industrielle und digitale Fähigkeiten unterstützen. Diese Segmente profitieren von höheren Ausgaben und wichtigen Wegbereitern der Autonomie selbst.

 

Was spricht für Candriam im Bereich europäische Autonomie?

Die Selektivität ist entscheidend, da sich nicht alle Exposures in Wertschöpfung niederschlagen, wobei dies insbesondere in kapitalintensiven und von der Politik bestimmten Branchen zutrifft. Bei Candriam betrachten wir die europäische Autonomie als einen mehrjährigen, Billionen Euro schweren Investitionszyklus.

Unsere Strategie verbindet thematische Top-down-Überzeugungen mit einer Bottom-up-Aktienauswahl und kann dabei auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in thematischen und europäischen Aktienanlagen sowie einen Teil einer thematischen Plattform, die mehr als 15 Milliarden Euro[6] an Vermögen verwaltet, zurückgreifen. Dies ermöglicht es uns, über die breite Sektorallokation hinauszugehen und uns auf Unternehmen zu konzentrieren, von denen wir glauben, dass sie direkt von Europas strategischem Wandel betroffen sind, und diesen ermöglichen.

Das Anlageuniversum ist rund um fünf wesentliche Säulen aufgebaut: Energie, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung, Technologie, strategische Industrien und Materialien sowie Gesundheit. Diese spiegeln somit die Kernbausteine der Autonomie wider. In diesen Bereichen sind wir bestrebt, Unternehmen zu identifizieren, die an den öffentlichen Märkten eventuell weniger sichtbar sind, einschließlich Unternehmen mit kritischen Technologien, starken Marktpositionen oder spezialisierten Fähigkeiten, die in europäische Wertschöpfungsketten eingebettet sind.

Das Ergebnis ist eine auf starken Überzeugungen beruhende Strategie, die darauf ausgelegt ist, eine breite Palette von Chancen zu nutzen, die mit dem Übergang zur Autonomie Europas verbunden sind – von Hauptauftragnehmern zu spezialisierten Lieferanten und Technologieführern. Unserer Ansicht nach ist diese Fähigkeit, sowohl die führenden Unternehmen als auch die Wegbereiter zu identifizieren, ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal des Chancenspektrums und eine wichtige Quelle für ein langfristiges Anlagepotenzial.

Fazit

Die europäische Autonomie ist in eine neue Phase eingetreten. Das Narrativ wird zunehmend durch Finanzierung, Partnerschaften und Umsetzung unterstützt. Für Aktienanleger stellt dies mehr als nur eine thematische Allokation dar. Es baut Europas wirtschaftliches Umfeld strukturell wieder auf und schafft dabei eine unserer Ansicht nach überzeugende und unterschätzte Quelle langfristiger Anlagechancen.

Dieser Artikel ist der erste in einer fünfteiligen Reihe zum Thema europäische Autonomie, in der die Ansichten von Candriam zu den wichtigsten Säulen dargestellt werden. Der nächste Teil der Reihe mit dem Schwerpunkt Technologie wird im Mai veröffentlicht.

FACHKOMPETENZ

Entdecken Sie unsere Aktienstrategie

Schnellsuche

Schnellerer Zugriff auf Informationen mit einem einzigen Klick

Erhalten Sie Einblicke direkt in Ihren Posteingang