In einem aktuellen Explore-Webinar äußerten Candriam CIO Nicolas Forest, Chefökonomin Florence Pisani, Co-Global Head of Equity Management Johan Van der Biest und Head of Emerging Markets Equities Paulo Salazar ihre Ansichten zu den Folgen der Schließung der Straße von Hormuz und zur allgemeinen Stimmung auf den Märkten und untersuchten die Trends bei Aktien. Die Diskussion verwies auf den weiterhin robusten Markt, aber auch auf eine Welt, in der Inflationsrisiken und Lieferprobleme um sich greifen und Bewertungsdisziplin nach wie vor wichtig ist.
CIO-Ausblick – Einen Monat nach Ausbruch des Konflikts
Einen Monat nach Ausbruch des Konflikts fällt ein Wort auf: Deeskalation. Die Märkte haben wochenlange Eskalationen, Waffenstillstände, Blockaden und Kehrtwenden erlebt, doch Risikoanlagen liegen nach wie vor nahe an ihren Jahreshöchstständen: Die Aktienmärkte blieben solide; die Credit-Spreads sind nach wie vor eng. Auf den ersten Blick scheinen die Märkte die geopolitische Krise zu überstehen.
Diese Belastbarkeit sollte nicht mit Bequemlichkeit verwechselt werden. Langfristige Anleihenrenditen sind nach wie vor hoch, und die Inflationserwartungen sind gestiegen. Dadurch entsteht ein auffälliger Kontrast: Risikoanlagen halten sich gut, während Zinsen nach wie vor dem schwierigeren Inflationsumfeld Rechnung tragen. Das ist wichtig, weil eine höhere Inflation Zentralbanken und Regierungen gleichermaßen das Leben schwer macht. Die Geldpolitik wird schwieriger zu steuern. Die Haushaltspolitik wird restriktiver.
Das Gewinne erklären, warum die Aktienmärkte robust geblieben sind. Anders als der drastische Rückgang der Gewinnerwartungen nach den Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump am „Tag der Befreiung“ hat dieser Konflikt nicht den gleichen Zusammenbruch bei den Prognosen ausgelöst. Energie, Grundstoffe und Teile des Technologiesektors stützen die Gewinnerwartungen weiter und helfen den Märkten, die Krise abzufedern.
Die wichtigste Lehre besteht darin, sich nicht nur von den Schlagzeilen beeinflussen zu lassen. In sich rasant verändernden Märkten sind langfristige Überzeugungen wichtiger als vorübergehender Lärm. Daher liegt der Fokus weiterhin auf Bereichen, in denen strukturelle Trends noch intakt sind und die Märkte die Nachhaltigkeit der Gewinne möglicherweise unterschätzen.
Makroausblick – Spannungen in der Straße von Hormuz und mögliche wirtschaftliche Folgen
Die Weltwirtschaft hat sich als robuster erwiesen als erwartet. Die Arbeitsmärkte in den USA und Europa sind nach wie vor solide, und die jüngsten Daten deuten auf ein Wachstum im ersten Quartal hin. Institutionen wie der IWF und die OECD haben ihre Prognosen nur geringfügig nach unten korrigiert. Diese Robustheit hängt jedoch von der Annahme ab, dass die Störungen in der Straße von Hormuz nur von kurzer Dauer sind.
Denn es geht nicht nur um Öl. Rund 20% der weltweiten Öl- und Gastransporte gehen durch die Straße von Hormus[1], doch die Folgen gehen weit über Energie hinaus. Die Energiepreise wirken sich auf viele Industrieprodukte und Lebensmittelpreise aus. Düngemittel, Schwefel und Helium sind betroffen. Wenn die Störungen anhalten, wird dies zu weiteren Spannungen in den Lieferketten führen. Erste Anzeichen von Stress sind bereits bei Kerosin, aber auch bei Schweröl zu erkennen.
Die zentrale Frage ist nicht, ob sich der Verkehr normalisieren wird, sondern wie schnell. Strategische Reserven und Umleitungen können für vorübergehende Erleichterung sorgen, aber sie können die normalen Transportbewegungen nicht vollständig ersetzen. Eine kurze Störung ist überschaubar. Eine Verlängerung würde die Inflation in die Höhe treiben, das Vertrauen schwächen und das Wachstum erheblich beeinträchtigen.
Ein langsames Normalisierungsszenario erscheint wahrscheinlicher als eine rasche Erholung. Die politische Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und selbst nach einer Einigung wird eine Normalisierung einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Weltwirtschaft ist nicht zusammengebrochen, aber sie ist einer anhaltenden Angebotskrise ausgesetzt.
Aktien – Blick über Schlagzeilen hinaus auf langfristige Überzeugungen
Die Argumente für Technologie sind nach wie vor konstruktiv, doch der Fokus verlagert sich von reiner Dynamik hin zu Selektivität. Das kräftige Gewinnwachstum unterstützt die Branche weiterhin, unter anderem dank anhaltender Investitionen in KI-Infrastruktur. Diese Investitionen verbessern inzwischen die Umsätze im gesamten Ökosystem und führen zu greifbaren Ergebnissen, die die Erwartungen übertreffen.
Gleichzeitig sind die Märkte differenzierter geworden. In Teilen der Branche haben sich die Bewertungen normalisiert, allen voran im Softwaresektor, wo die jüngste unterdurchschnittliche Wertentwicklung interessante Einstiegspunkte geschaffen hat. Das eröffnet Chancen, aber nicht überall. Einige Segmente sind mit einem kompletten Umbruch durch KI konfrontiert, während andere davon profitieren.
KI bleibt eine wichtige treibende Kraft, ist aber nicht die einzige. Die Übernahme von KI befindet sich noch in einem frühen Stadium und deutet auf weiteres Aufwärtspotenzial hin. Einschränkungen wie der Zugang zu Strom, Wasser und Finanzierung könnten die Expansion allerdings verlangsamen und müssen genau überwacht werden.
Die Situation erfordert daher genaue Analysen. Bereiche wie Cybersicherheit tun sich hervor, weil die Nachfrage dort nach wie vor stark ist und KI eher als Wegbereiter denn als Bedrohung gilt. Die Chancen bei Aktien sind nach wie vor attraktiv, aber es geht nicht mehr um breite Exposure. Es geht darum, herauszufinden, wo die Gewinne robust bleiben und wo strukturelles Wachstum aufrechterhalten werden kann.
Schwellenländer – Gewinner und Verlierer
Wenn eine große Ölkrise vermieden wird, könnte die mittelfristige Folge dieses Konflikts ein schwächerer Dollar sein. Dies würde eine erhebliche Veränderung für Schwellenländer bedeuten. Die Zentralbanken diversifizieren ihre Reserven, der Handel findet zunehmend in anderen Währungen statt und China bringt sich als zuverlässiger Partner in Stellung. In diesem Umfeld erscheinen Schwellenländeraktien gut aufgestellt.
Die Bewertungen sind günstig. Schwellenländeraktien sind im Vergleich zu Industrieländern nach wie vor attraktiv, während die Portfoliozuflüsse darauf hindeuten, dass die Anleger allmählich reagieren. Auch der Energiekontext spielt eine Rolle. Energiesicherheit spielt eine strategische Rolle und unterstützt sowohl traditionelle Energieerzeuger als auch erneuerbare Energien, die durch hohe Ölpreise wettbewerbsfähiger werden.
Technologie ist ein weiterer wichtiger Treiber. Bei Schwellenländern geht es nicht mehr nur um einzelne Länder. Das Spektrum hat sich erweitert und umfasst Taiwan, Korea und Indien, wobei Technologie die wichtigste Branche ist. Die KI-Investitionen führender amerikanischer Konzerne fördern bereits das Gewinnwachstum asiatischer Technologieunternehmen, von denen viele immer noch mit einem Abschlag gegenüber der US-Konkurrenz gehandelt werden.
China erfordert einen selektiveren Ansatz. Das Wachstum hat sich verlangsamt, und das Umfeld ist nach wie vor uneinheitlich, aber die Chancen bestehen weiter. Branchen wie Halbleiter, Robotik und fortschrittliche Fertigung zeigen nach wie vor eine starke Dynamik. Bei Schwellenländeraktien bieten sich unserer Meinung nach weniger Chancen in einer breiten Exposure, sondern eher in einer gezielten Aktienauswahl.



